Raumfahrt

Beginn einer neuen Zeitrechnung

Wostok

Am 12. April 1961, 9.07 Uhr Ortszeit Baikonur, brachte die Rakete Wostok-K, eine Weiterentwicklung der R-7, die gerade einmal vier Jahre zuvor den ersten Satelliten in einen Erdorbit geschossen hatte, das Raumschiff Wostok in einen Erdorbit. An Bord befand sich der erste Weltraumreisende: Juri Alexejewitsch Gagarin. An jenem Tag begann das Zeitalter der bemannten Weltraumfahrt.

Der Start von Wostok verlief reibungslos, und das Raumschiff erreichte, nach Abtrennen der dritten Stufe, um 9.21 Uhr Ortszeit den Orbit. Die Umlaufbahn hatte das Apogäum (den höchsten Bahnpunkt) bei 315 km, das Perigäum (den niedrigsten Punkt) bei 169 km, war also – hervorgerufen durch (leicht) anominale Zündsequenzen der Rakete – stark elliptisch.

Gagarin, der keinerlei Probleme hatte, sich an die Schwerelosigkeit anzupassen, hatte während der Erdumkreisung keine Aufgaben zu erledigen, sondern beschränkte sich darauf, die Instrumente abzulesen, seine Gesundheitszustand zu schildern und – das vor allem – den außergewöhnlichen Anblick, den ihm die Erde als erstem Menschen bot, zu beschreiben.

Nach rund einer Stunde im Orbit zündete die Bremsrakete, um den Wiedereintritt einzuleiten, der – wie der gesamte Flug – völlig automatisch ohne jeden Eingriff des Kosmonauten oder der Leitzentrale ablief. Hierbei kam es jedoch zu einem schwerwiegenden Zwischenfall: Der Versorgungsteil trennte sich nicht wie vorgesehen von der Landekapsel; durch die dadurch bedingte Schwerpunktverlagerung kam es zur Rotation des Raumschiffs um die Längsachse um etwa 30° pro Sekunde.

Gagarin blieb ruhig, berichtete, dass ansonsten alles nach Plan verlief. Zehn Minuten später kam es schließlich zur Abkopplung des Versorgungsteils von der Kapsel, was auch die Rotation stoppte. In 7.000 Meter Höhe öffnete sich der Hauptfallschirm der Kapsel, die Luke wurde abgesprengt und kurz darauf Gagarin mit dem Schleudersitz aus der Kapsel katapultiert. (Dieses Landeprozedere ist bis heute Standard in der bemannten russischen Raumfahrt.) Nach 1 Stunde 48 Minuten Flugzeit schwebte Gagarin am Fallschirm 26 km vom Städtchen Engels entfernt zu Boden.

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12. April 1981: Genau 20 Jahre nach Gagarins Flug startete das amerikanische Space Shuttle zu seinem Jungfernflug. – Als das Apollo-Sojus-Test-Projekt, ein Gemeinschaftsprojekt von UdSSR und USA, im Sommer 1975 zu Ende ging, war das auch das (vorläufige) Ende der bemannten amerikanischen Raumfahrt. Eigentlich sollte das (wiederverwendbare) Space Shuttle nahtlos an die Apollo-(Wegwerf-)Raketen anschließen, doch zog sich der Jungfernstart des Space Transportation Systems (STS) ständig hinaus. Und auch als der Termin dann endlich stand (der 10. April 1981) kam es aufgrund von Problemen der Bordrechner zu weiteren Verzögerungen, bis dann (rein zufällig) die Astronauten John Young (der bereits zwei Gemini- und zwei Apollo-Missionen absolviert hatte) und Robert Crippen die Mission STS 1 an jenem Jubiläumstag starten konnten. Die Mission verlief zwar erfolgreich, doch war der Start keineswegs der Bilderbuchstart, als den ihn die offiziellen TV-Bilder präsentierten (Näheres hier, unter 12. April).

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