Apollo

Die Wasserung

Bei der siebten und letzten Live-Übertragung, nurmehr 18 Stunden von der Erde entfernt, zog Buzz Aldrin so etwas wie ein (vorläufiges) Fazit der Mission: "Wir haben hier die Ereignisse der letzten zwei oder drei Tage besprochen, und wir sind zu der Schlußfolgerung gekommen, daß dies weitaus mehr war, als nur drei Männer auf einer Reise zum Mond. Mehr noch als die Anstrengungen eines Regierungs- und Industrieteams. Mehr sogar noch, als die Anstrengungen einer Nation. Wir empfinden dies [vielmehr] als ein Symbol der unersättlichen Wißbegier der ganzen Menschheit, das Unbekannte zu erforschen ... Wir haben die Herausforderung, zum Mond zu fliegen, angenommen. Sie war unabweisbar. Die relative Leichtigkeit, mit der wir unseren Auftrag ausgeführt haben, kann – so glaube ich – der Tatsache zugeschrieben werden, daß die Zeit für diese Annahme reif war. Ich glaube, daß wir heute völlig in der Lage sind, größere Rollen in der Erforschung des Weltraums zu übernehmen ..."

Am nächsten Tag, dem achten und letzten Missionstag, stand die letzte schwierige Etappe der Reise an: der Reentry, der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Nur das Command Module (CM), die Apollokapsel mit den Astronauten, war mit einem Hitzeschild ausgerüstet; nur sie konnte den Wiedereintritt bewältigen. Die Vorbereitung für das Abkoppeln des Service Modules (SM), des Versorgungsteils, begann früh am Morgen des 24. Juli mit dem Abarbeiten von Checklisten; das ganze Prozedere dauerte fast sechs Stunden.

Unmittelbar nach dem Abkoppeln des SM – das reibungslos verlief – manövrierte Armstrong die Kapsel in die für den Wiedereintritt notwendige Fluglage, also mit dem stumpfen Ende, das heißt dem Hitzeschild voran. Kurz darauf raste die Kapsel mit 11,2 km/s (40.000 km/h) auf die äußeren Bereiche der irdischen Atmosphäre zu. Schon wenige Sekunden nach dem Auftreffen auf die ersten Wasserstoffmoleküle in einer Höhe von rund 120 km wurde sie in eine "Glocke des Schweigens" eingehüllt – wie Puttkamer den Plasmamantel um die Kapsel aus ionisierten Gasen nennt. Diese Gase sind verantwortlich für den so genannten Blackout, da sie jede Art von Funkverbindung unmöglich machen. Der Blackout dauerte in der Regel drei bis vier Minuten.

Die Bergungsflotte der Navy, die das Raumschiff zur Wasserung im Pazifik am vorausberechneten Ort erwartete, umfasste neun Schiffe und 54 Flugzeuge sowie über 7.000 Mann Besatzung. Im Landegebiet herrschte Morgendämmerung, die Sonne würde in rund einer halben Stunde aufgehen. Auf der USS Hornet, Flugzeugträger und Flaggschiff der Bergungsflotte, sah man deutlich den Feuerschweif, den die Apollokapsel hinter sich herzog. Dann ein harter Überschallknall, begleitet von einem zweiten, dem Echo, das der Ozean zurückwarf. Schließlich öffneten sich die zwei Stabilisierungsfallschirme, je 5 m im Durchmesser, eine Minute später folgten drei kleinere Vorfallschirme, dem wiederum der Hauptfallschirm, 25 m im Durchmesser, folgte. Dann schlug die Kapsel auf die Wasseroberfläche auf, 24 km von der USS Hornet entfernt, bei exakt 169°09' westlicher Länge und 13°18' nördlicher Breite, in der Nähe Johnston-Atolls (wo in den 1950ern noch Atombombentest stattgefunden hatten).

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