Summer of 69

Die erste bemannte Mondlandung feiert dieses Jahr ihr 50. Jubiläum.

Quasi unvermeidlich, dass zu diesem Jahrhundertereignis auch peenemuende-ost.com ein Buch geschrieben hat ...

Summer of 69
Das Buch zum Jubiläum: Summer of 69

Summer of 69 oder: Im Dreischritt von den Anfängen - das heißt: der Idee von einer Reise zum Mond - bis zur tatsächlichen Landung von Apollo 11  im Mare Tranquillitatis:

  1. Vom Krieg zur Utopie: Wie aus der Kriegswaffe Rakete, zunächst rein theoretisch, das Raumschiff zu anderen Welten entstand.
  2. Von der Utopie zurück zum Krieg: Um die Rakete als Weltraumrakete zu entwickeln, musste wieder in den Krieg gezogen werden.
  3. Vom Krieg zur Utopie, der zweite Anlauf: Wie aus dem Geiste des Kalten Krieges das Apollo-Projekt geboren wurde, das größte, teuerste und schwierigste Unternehmen, das sich die Menschheit je vorgenommen hat.

Erstaunlich genug, dass dies alles - vom Da-hin-Wollen bis zum Wir-sind-da - kaum mehr als 100 Jahre gedauert hat ...

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Inhalt Summer of 69

  1. Prolog
    Wie Apollo von einem Gott, der die Griechen mit Pfeil und Bogen bekämpfte, ihnen Seuchen und andere Plagen schickte, zum beliebtesten und meistverehrten Gott der Griechen aufstieg.
  2. Sputnik und die Folgen
    Der Start von Sputnik 1, des ersten Satelliten, der in den Erdorbit geschossen wurde. Rückblende Mai 1945: Wie die Peenemünder, die Entwickler der V2, der ersten Großrakete der Welt, zu den Amerikanern überliefen, und es dann doch die Sowjets waren, die den ersten Satelliten ins All schossen.
  3. Vom Krieg zur Utopie und zurück
    Über die Rakete als Kriegsgerät und wie sie von Tüftlern und Technikern, die immer auch utopische Ideen mit ihr verbanden, innerhalb weniger Jahrzehnte als probates Vehikel zu fernen Welten theoretisch ausgearbeitet wurde. Um sie ingenieurtechnisch, also praktisch nutzbar zu machen, musste mit Peenemünde wieder in den Krieg gezogen werden.
  4. Vom Krieg zur Utopie: der zweite Anlauf
    Wie die Peenemünder in den USA ankamen und dort, nach jahrelangem Däumchendrehen, weitermachten, wo sie aufgehört hatten: Waffen für den (diesmal immerhin nur Kalten) Krieg zu schaffen. Und der Sputnikschock es ihnen ermöglichte, gegen einheimische Konkurrenz und über mehrere Umwege den ersten amerikanischen Satelliten ins All zu schießen.
  5. Die Geburt Apollos
    Ende der 50er wurde die Weltraumfahrt zur Angelegenheit des nationalen wie ideologischen Prestiges. Die Sowjetunion hatte dabei lange Zeit einen deutlichen Vorsprung: der erste Satellit - ein sowjetischer, die erste Sonde, die den Mond erreichte - eine sowjetische, der erste Mensch im All - ein Sowjet. John F. Kennedy geriet in "präsidiale Panik", als sich der Kommunismus nicht nur im Weltraum überlegen zeigte, sondern auch im Militärischen: Exilkubaner waren, mit Unterstützung der CIA, in Kuba gelandet, um dem dortigen revolutionären Treiben ein Ende zu setzen, wurden aber von den Truppen Fidel Castros in nur zwei Tagen vernichtend geschlagen. Da suchte Kennedy nach einer Möglichkeit, die Sowjets mit einer großen Unternehmung in die Schranken zu weisen - und fand sie in Apollo, das die NASA bereits im Sommer 1960 als "erweitertes Ziel" (aber ohne Finanzierung) beschlossen hatte. Am 21. Mai 1961 hielt er die berühmte Rede vor dem Kongress, in der er seine Nation aufforderte, noch "vor Ende dieses Jahrzehnts" einen Menschen zum Mond zu schicken. Nur wenige Wochen später erhielt die NASA Milliardenbeträge und begann, eine gigantische Infrastruktur eigens für die Fahrt zum Mond aus dem Boden zu stampfen.
  6. Der dritte Weg
    Wie um den besten Weg zum Mond gestritten und daraus ein Tauziehen Houston (unter Robert Gilruth) gegen Huntsville (unter Wernher von Braun) wurde. Viele sahen in der Uneinigkeit der größten Zentren eine Bedrohung für die NASA als Ganzes. Das eine (Houston) favorisierte den direkten Weg: Eine Riesenrakete bringt das Raumschiff mit den Astronauten zum Mond und wieder zurück. Das andere (Huntsville) hielt einen Umweg für die bessere Wahl: Viele kleine Raketen bringen die Einzelteile in einen Erdorbit, wo sie dann zur Mondrakete zusammengebaut werden. Die Direkt-Methode bot eine einfache Logistik, benötigte aber eine monströs große Rakete. Der Earth-Orbit-Methode genügten zwar kleinere Raketen, sie erforderte aber eine ausgefeilte Logistik. Letzteres hätte Huntsville eine außerordentlich bedeutende Rolle im Apollo-Programm verliehen. Doch von Braun entschied sich gegen Huntsville, ohne sich aber für Houston zu entscheiden; er wählte eine noch bessere Methode, eben den dritten Weg.
  7. Go, go, go!
    Wie die Ermordung Kennedys das Apollo-Projekt zur nationalen Ikone werden ließ und fortan weder das Projekt als solches hinterfragt noch der vorgegebene Termin infrage gestellt wurde. Mit Kennedys Tod startete Apollo sozusagen durch. Da man nur wenige Jahre hatte, musste alles gleichzeitig geschehen: Unbekannte Sonden erkundeten die Beschaffenheit der Mondoberfläche, die Ergebnisse kamen aber zu spät, sodass das Lunar Module für alle Eventualitäten ausgelegt werden musste; im Erdorbit probten Astronauten Rendezvous-Technik und EVAs und stießen dabei auf mehr Schwierigkeiten als erwartet; die Konstruktion der Apollo-Kapsel war komplexer, als es ihre Funktionalität nahe legte, und Fehler und Nachlässigkeiten kosteten drei Astronauten das Leben. Huntsville entwickelte die Mondrakete Saturn V, den teuersten Einzelposten des Apollo-Projektes.
    Mit Beginn der Gemini-Missionen offenbarte das Projekt der Mondlandung erstmals für jedermann sicht- und erlebbar, dass es auch andere als nur technische Aspekte hatte. Bei Gemini IV, der zweiten bemannten Mission, erlebte die Nation über Funk (nur Ton, kein Bild), wie Edward White sich an seinem Weltraumspaziergang berauschte. Nach der Wasserung wurden die Foto- und Filmaufnahmen entwickelt und einen Tag später veröffentlicht. Und riefen Begeisterungsstürme hervor: Es waren die schönsten Bilder, die die Rahmfahrt bis dahin hervorgebracht hatte.
  8. Aufbruch zu anderen Welten
    Fast gleichzeitig mit den Bildern von Gemini IV, die eine Welt ohne (metaphorische wie politische) Grenzen zeigten, begann die Jugend des Landes ihren eigenen Aufbruch: Nicht der Mond war das Ziel, sondern ein besseres Amerika. Im Sommer 65 entstand in San Francisco die Hippie-Bewegung. Zum Start von Gemini V war sie bereits zu einem medialen Ereignis geworden. Keine zwei Jahre später hatte sie die ganze westliche Welt erfasst; der Hippie war zum Symbol der Gegenkultur geworden (und zum Feindbild des Establishments). Als das Apollo-Programm nach dem Desaster von Apollo 1 gegen die Zeit kämpfte, strebte das Hippietum seinem Höhepunkt zu: dem Summer of Love des Jahres 1967. An die 100.000 waren in die Stadt geströmt, um drei Tage lang beim Monterey Pop Festival die neue Zeit und sich selbst zu feiern.
    1967 erlebte Apollo nur ein wesentliches Ereignis: den Jungfernflug der Saturn V, der "neuesten und vollkommensten Schöpfung" des wissenschaftlichen Zeitalters. Weihnachten 1968 dann der erste Höhepunkt des Programms: Apollo 8 startete zum ersten wirklichen Raumflug der Menschheit; auf dem Flug zum Mond (der "nur" umrundet wurde) sahen die Astronauten und mit ihnen die Zuschauer zu Hause zum ersten Mal die Erde von weit draußen im All. Niemand war auf den Anblick vorbereitet: Eine strahlend-blaue Kugel inmitten der Schwärze des Alls. Der Begriff "Blauer Planet" für die Erde wurde geboren.
    Im Sommer 1969 brach Apollo 11 schließlich zur ersten Landung auf einem anderen Himmelskörper auf. Und die Jugend im Osten des Landes pilgerte zum Woodstock-Festival, das - wie Apollo - zur Legende wurde. Mit Mondlandung und Woodstock ging aber auch, was damals kaum jemand ahnte, die Epoche der Aufbrüche zu Ende.
  9. Erfüllung der Utopie
    Mit Apollo 8 hatte sich die Menschheit zum ersten Mal ins wirklich weite All hinausgewagt. Mit Apollo 11 war Kennedys Agenda in der vorgegebenen Frist erfolgreich abgeschlossen worden. Und mit Apollo 13 erfüllte sich schließlich der kühnste aller Träume, der mit der Raumfahrt von Anfang an verbunden war. Im Service-Modul von Apollo 13 war ein Tank explodiert und die Crew strandete 300.000 km von der Erde entfernt im All. Die NASA trieb daraufhin den vermutlich größten Aufwand, der jemals geleistet wurde, um drei Menschen "nach Hause" zu bringen. Und die ganze Welt bangte und hoffte mit: Die Sowjetunion bot Hilfe an, falls sie gebraucht würde; einträchtig beteten Christen, Juden, Moslems, Hinduisten und Buddhisten in der ganzen Welt für die Crew von Apollo 13. Die Menschheit wuchs sozusagen über sich hinaus - für 86 Stunden und 44 Minuten (so lange dauerte die Rettungsaktion)
  10. After 13
    Von den Blumenkindern, die nach dem Summer of Love in der Stadt geblieben waren, landeten viele auf der Straße, ausgebeutet von Zuhältern, Dealern und anderen Kriminellen, die mit Utopien nichts am Hut hatten. Die Jugend, aufgebrochen, die Welt zu verändern, erlebte ihre völlige Desillusionierung. Und Apollo, das aufgebrochen war, die Grenzen der Welt zu sprengen, endete mit zwei Missionen, die über den Erdorbit nicht hinauskamen. In dieser Zeit verfallender und schon verfallener Träume veröffentlichte William Kaysing We went never to the Moon, ein Buch, mit dem er das Vakuum noch vertiefte. Er behauptet darin, dass die bemannten Mondlandungen Fälschungen seien, nachgestellt in irdischen Filmstudios. Es klang wie: Wir, die Rebellen, haben es immerhin versucht, ihr, das Establishment, habt nur so getan, als ob.
    Kaysing (Jahrgang 22) hatte als Kind den Börsenboom der 20er und die folgende Große Depression der 30er miterlebt, und auch, wie Warner und Kritiker des Booms systematisch verschwiegen und öffentlich diskreditiert wurden. In den Nuller Jahren traf das Buch, obwohl seine Thesen nicht sehr tragfähig sind, dann den Nerv der Zeit: Wie in den 20ern hatten sich in den 90ern eine Menge Leute mit abenteuerlich verschnürten Papieren an den Börsen bereichert. Das System brach in der so genannten Finanzkrise 2008 zusammen, und für die angerichteten Schäden in Milliardenhöhe hatte der Steuerzahler aufzukommen.
    In diesem Klima gedachte man 2009 dem 40. Jahrestag der bemannten Mondlandung. Und anders als 1999 zum 30. Jahrestag spielten die Mondlandungsleugner eine nicht geringe Rolle; ständig mussten ihre Argumente in Diskussionen oder Dokumentationen widerlegt werden (was nicht schwierig, aber zeitraubend war).
    Doch nicht nur das in Ungnade gefallene Establishment, zu dem die NASA zweifellos gehört, machte es den Leugnern leicht. Auch das Verhältnis von medialer und realer Welt hatte sich seit den 60ern erheblich verändert: Am 25. Mai 1977, ein Jahr nach Erscheinen von Kaysings Buch, kam Star Wars in die amerikanischen Kinos. Mit ihm begann sich unser medial vermitteltes Bild von der Welt zu wandeln. Per CGI wurden Dinge erschaffen, die sich den (unspektakulären) Anschein gaben, als wären sie real. Zu erkennen war das nur, wenn das Erschaffene nicht Teil unserer Welt sein konnte (etwa Robots oder Aliens). Welche Macht die Konstruktion medialer Wirklichkeit in den 90ern schon erreicht hatte, zeigt der Film Apollo 13. Der Film zitiert drei Sätze, die aus dem Apollo-Programm in den allgemeinen (amerikanischen) Phrasenschatz übergangen sind: Houston, wir haben ein Problem! - I wonder where Guenter Wendt ... - Failure is not an option! Doch nur zwei wurden wirklich zur Apollo-Zeit gesprochen; einer ist eine Erfindung des Films, doch auch er wird heute überwiegend so behandelt, als stammte er aus der Apollo-Ära.
  11. Skies and Heavens: das Vermächtnis
    Schon in den 60ern gab es den unversöhnlichen Gegensatz zwischen den Ingenieuren und der Gegenkultur; die einen feierten Apollo als technische Großtat, leugneten dabei jede spirituelle (oder auch nur psychologische) Komponente, den anderen war Apollo nichts anderes als Geldverschwendung und ein sinnloses Produkt des Kalten Krieges. An diesen jeweiligen Positionen hat sich bis heute wenig geändert.
    Dass Apollo mehr war, zeigte schon Apollo 8, und die Astronauten von Apollo 13 nannten ihr Lunar Module Aquarius, nach einem Song aus dem Musical Hair, der an Bord auch gespielt wurde. Aquarius ist aber auch das Sternzeichen des Wassermanns, und mit dem Wassermann-Zeitalter verbanden die Hippies eine neue Ära, in der sich Technik und Spiritualität miteinander aussöhnen sollten. Wollten die Astronauten die NASA provozieren, indem sie einen Song aus einem Hippie-Musical wählten? War es nur die Freude an einem einfachen Song? Oder wollten sie gar - nur auf den ersten Blick eine verwegene Vorstellung - mit der Wahl dieses Songs ausdrücken, dass der Traum von der Versöhnung zwischen Technik und Spiritualität längst Wirklichkeit geworden war, nämlich im Apollo-Programm?
    Damals in den 60ern gab es vielleicht nur drei Menschen, die Apollo als Bindeglied zwischen Spiritualität und Technologie sahen, und jeder von ihnen drückte dieses Wissen auf seine Weise aus:
    → Wernher von Braun, indem er auf seinem Grabstein die Inschrift Psalms 19:1 anbringen ließ. Nichts sonst. Aber hinter diesem Psalm verbirgt sich sozusagen die ganze Tiefe des Projekts.
    → Donald Kent "Deke" Slayton sorgte dafür, dass es unter den Astronauten einige gab, die, inmitten der Skies, auch die Wege der Himmel fanden. Slayton war zuständig für die Auswahl der Crews bei den einzelnen Missionen. Bei jeder Mission fand sich ein auffälliges Gegengewicht zu den hartgesottenen Testpiloten. Der LM-Pilot war stets ein Astronaut, dessen Interessengebiete weiter gefächert war, als man das erwartet: Sie gingen bis ins Künstlerische, Literarisch-Utopische, Religiöse und Außersinnliche.
    → Neil A. Armstrong, erster Mensch auf dem Mond und die Verkörperung des kühl-rationalen Astronauten-Technokraten, fasste es schließlich in einem einzigen Satz, dem Jahrhundertsatz, zusammen, der aber bis heute seltsam un- oder halb verstanden in Zeit und Raum hängt.
  12. Epilog
    Mit Peenemünde und Los Alamos sprang die Menschheit vom technischen ins Zeitalter des Hightech. Mit Apollo wurde aus dem kriegerischen Anfang ein gutes Ende, quasi ein maximales Happy End. Kaum erwähnenswert, dass eine solche Geschichte keine Fortsetzung fand. Nach Apollo 17 beschränkte sich die amerikanische Raumfahrt auf den Erdorbit. Abenteuerlust und Neugier, die uns einst hinausgeführt hatten, gerieten in Verruf. Und die Spiritualität, weil nutz- und wertlos geworden, zog sich ins Esoterische zurück.
  13. Anhang 1: Die Apollo-Missionen
  14. Anhang 2: Das Glossar
  15. Anhang 3: Die Quellen

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